Dienstag, 2. Dezember 2008

4. Hausübung

Was unterscheidet die historische Schreib- und Lesekompetenz von der eines anderen Geisteswissenschafters? d.h. der Artikel enthält aus meiner Sicht zu viele allgemeine Positionen (nach dem "ist ja eh klar"-Motto), die im Wesentlichen für alle (Geistes-)Wissenschaften gelten und geht meiner Meinung nach zu wenig auf spezielle historische Thematiken oder Praktiken ein - so wird z.B. der Umgang mit aktuellen Schweizer Gesetzesblättern als Beispiel für historische Arbeit genannt...

Stichwort Archivierung, Vorläufigkeit von Einträgen, regelmäßige Änderung von Internetseiten (durch Aktualisierung, Einstellen etc.): Wie kann die Seriosität bzw. Nachhaltigkeit von Internet Quellen bei der Verwendung für wissenschaftliche Artikel und Arbeiten gesteigert werden – derzeit kann man jede beliebige Aussage mit einer Internetquelle untermauern, ohne dass diese nach einem gewissen Zeitraum (z.B. 5 Jahre später) überprüft oder nachvollzogen werden kann.

Dienstag, 18. November 2008

Beschreibung der Homepage www.histnet.ch

Die Homepage www.histnet.ch (auch www.hist.net) ist gemäß Eigendefinition „eine Plattform für digitale Medien in den Geschichtswissenschaften.“ Gründer sind die beiden Schweizer Historiker Peter Haber und Jan Hodel, die laut Impressum auch die beiden Herausgeber im Sinne des Mediengesetzes bzw. die Verantwortlichen für den Großteil der Inhalte sind. Neben den beiden treten auch Valentin Groebner und Hans-Lukas Kieser – beide ebenfalls Historiker - als Autoren im Rahmen von hist.net in Erscheinung. Neben den allgemeinen Angaben im Impressum sind auch persönliche Kontaktmöglichkeiten gegeben: so haben z.B. alle angeführten Autoren ihre Kontaktdaten (Email, Telefon und Postadresse) angegeben.

Die Homepage selbst und insbesondere das Weblog werden regelmäßig (aus den Datumsangaben ableitbar) aktualisiert und überarbeitet und es lässt sich die Urheber- und Autorenschaft der Beiträge sowohl im „offiziellen“ Bereich als auch im Weblog leicht feststellen (z.B. es werden keine Nicknames verwendet). Dies trägt sehr zur Authentizität und Glaubwürdigkeit der Quelle bei. Die Meinung und die Intention der Autoren speziell im Bereich des Weblogs sind zwar nicht unbedingt als objektiv einzustufen, da speziell die Einträge der letzten Zeit speziell in eine Richtung tendieren – aber gerade diese letztlich doch klar ausgedrückte Meinung (unabhängig davon, ob man sie teilt oder nicht) stärkt wiederum die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen der Leser mehr, als scheinbare Objektivität, die schlussendlich nur als geschickte Manipulation entlarvt würde.

Die Inhalte auf Hist.net lassen sich meiner Meinung nach in zwei Gruppen einteilen: Einerseits dient die Homepage als Informationsplattform und „schwarzes Brett“ für universitäre Lehrveranstaltungen und Projekte, andererseits als Publikationsbasis für Artikel, Texte und Hintergrundinformationen zum Thema „Neue Medien“ (inkl. Weblog). Anhand dieser Unterteilung der Inhalte kann man auch die verschiedenen Zielgruppen der Homepage unterscheiden: Während sich die Universitäts-bezogenen Themen und Projekte in erster Linie an Geschichtestudenten richten (und zwar solche die die jeweilige Lehrveranstaltung besuchen), richten sich die andern Themen an interessierte deutschsprachige Historiker – deutsprachig deshalb, weil es leider keine Übersetzung der Homepage in Fremdsprachen gibt .

Die Homepage selbst ist im Grunde einfach und übersichtlich aufgebaut – grafisch wirkt sie sogar ein wenig bieder, ja sogar fast langweilig. Obwohl man sich in der Menüführung gut und leicht zurechtfindet, fehlt meines Erachtens nach ein Inhaltsverzeichnis, geordnet nach Titel der publizierten Artikel und Aufsätze. Zwar gibt es einen Suchmodus der auf dem Googlesytem (mit all seinen Vor- und Nachteilen) basiert und ein Archiv mit Inhalten seit der Gründung 1998 – ohne genaue Angaben und Informationen (Inhalt, Überschrift oder sogar direkte Pfadangaben) kommt man allerdings bei der Suche nicht sehr weit. Diese Gestaltung und der angesprochene Aufbau machen es leider unmöglich beim „gemütlichen“ Surfen und Stöbern über interessante Artikel zu „stolpern“. Weiß man jedoch was man sucht oder hat Stichwörter, lassen sich alle publizierten Texte leicht finden.
Nachteilig ist meiner Meinung nach auch die, durch die Herkunft und die Lehrtätigkeit der Gründer und Autoren bedingte, starke Schweizlastigkeit der Themen und Inhalte, die sich in beinahe allen Themen und Projekten – mit Ausnahme des Weblogs - widerspiegelt.

Bei der Kritik an der technischen, inhaltlichen oder grafischen Gestaltung darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass es sich bei hist.net um eine privat finanzierte und privat gestaltete Homepage von Haber und Hodel handelt.

Dienstag, 21. Oktober 2008

Annotation zum Thema: Neutralität / Staatsvertrag

UB -Wien:
Gerald STOURZH, Um Einheit und Freiheit – Staatsvertrag, Neutralität und das Ende der Ost-West-Besetzung Österreichs 1945 – 1955 (4. Auflage, Wien Köln Graz 1998 – Böhlau Verlag) 831 S.,
Stourzh beschreibt die Entstehung des Staatsvertrages aus historischem Blickwinkel beginnenden mit der Moskauer Erklärung bis zum „Neutralitätsgesetz“. In der erweiterten vierten Auflage verwertet Stourzh neu zugänglich gewordene Quellen (einschließlich russischer Archivquellen). Das Buch beinhaltet neben einer genauen Zeittafel und einem detaillierten Personenregister auch einen ausführlichen, knapp 200 Seiten umfassenden Dokumentenanhang.

Manfred RAUCHENSTEINER, Der Sonderfall – Die Besatzungszeit in Österreich 1945 bis 1955 (Hrsg. vom Heeresgeschichtlichen Museum / Militärwissenschaftlichen Institut Wien, Reprint Ausgabe Graz 1995 – Styria Verlag), 416 S.,
Rauchensteiner schildert die Besatzungszeit und die Besatzungspolitik der Großmächte in Österreich mit dem Blickwinkel auf die (unterschiedlichen) Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern und den nachhaltigen Einfluss auf Österreichs Außen- und Sicherheitspolitik. Das Buch beinhaltet ein umfangreiches Orts- und Personenregister sowie ausgewählte Dokumente und Abkommen im Anhang.

scholar.google.de:
Hugo PORTISCH, Österreich II - die Geschichte Österreichs vom 2. Weltkrieg bis zum Staatsvertrag. Band 1: Am Anfang war das Ende (Wien 1993 - Verlag Kremayr & Scheriau) 436 S., Bilddokumentation Sepp Riff, Vorwort Gerd Bacher.
Portisch beschreibt die Situation der Zeit nach dem 2 Weltkrieg aus der Sicht eines begleitenden Beobachters und anhand zahlreicher Originalbilder. Dies ist der erste Band einer 4 teiligen Serie und beschäftigt sich mit dem Ende der NS Herrschaft in Österreich und den Geschehnissen kurz vor und nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches. Die Reihe wurde vom ORF auch verfilmt.

Hugo PORTISCH, Österreich II - die Geschichte Österreichs vom 2. Weltkrieg bis zum Staatsvertrag. Band 2: Die Wiedergeburt unseres Staates (Wien 1985 - Verlag Kremayr & Scheriau) 528 S., Bilddokumentation Sepp Riff, Vorwort Gerd Bacher.
Portisch beschreibt die Situation der Zeit nach dem 2 Weltkrieg aus der Sicht eines begleitenden Beobachters und anhand zahlreicher Originalbilder. Dies ist der zweite Band einer 4 teiligen Serie sich speziell mit der Situation nach 1945, die ersten Wahlen und die ersten Schritte der Republik unter Alliierter Herrschaft.

metalib:
Hugo PORTISCH, Österreich II - die Geschichte Österreichs vom 2. Weltkrieg bis zum Staatsvertrag. Band 3: Jahre des Aufbruchs, Jahre des Umbruchs (Wien 1996 - Verlag Kremayr & Scheriau) 448 S., Bilddokumentation Sepp Riff, Vorwort Gerd Bacher.
Portisch beschreibt die Situation der Zeit nach dem 2 Weltkrieg aus der Sicht eines begleitenden Beobachters und anhand zahlreicher Originalbilder. Dies ist der dritte Band einer 4 teiligen Serie. Dieser Band beschäftigt sich speziell mit dem Zeitabschnitt Ende der 40er Jahren und Anfang der 50er Jahre und den Geschehnissen in Österreich unter Alliierter Besatzung.

Hugo PORTISCH, Österreich II - die Geschichte Österreichs vom 2. Weltkrieg bis zum Staatsvertrag. Band 4: Der lange Weg zur Freiheit (Wien 1993 - Verlag Kremayr & Scheriau) 472 S., Bilddokumentation Sepp Riff, Vorwort Gerd Bacher.
Portisch beschreibt die Situation der Zeit nach dem 2 Weltkrieg aus der Sicht eines begleitenden Beobachters und anhand zahlreicher Originalbilder. Dies ist der vierte und letzte Band der Österreich II Serie. Dieser Band beschäftigt sich mit den Ereignissen rund um die den Staatsvertrag, die Entstehung des Staatsvertrages selbst und die Folgen für Österreich.

IBZ:
Christian LASSMANN, Österreichs Neutralität nach dem Ende des Ost-West-Konflikts in: Sicherheit und Frieden 1/1998 (Nomos Verlaggesellschaft Baden-Baden / 16. Jahrgang) Seite 40 - 45
Der Autor setzt sich mit der Sinnhaftigkeit und dem Nutzen der österreichischen Neutralität nach dem Ende des Kalten Krieges auseinander.

Waldemar HUMMER, Solidarität versus Neutralität. Das immerwährend neutrale Österreich in der GASP vor und nach Nizza in: Österreichische Militärische Zeitschrift ÖMZ 2/2001 (Hrsg. Bundesministerium für Landesverteidigung Wien / 39. Jg.) Seite 147 - 167
Der Autor geht der Frage nach Österreichs Standpunkt innerhalb der der gemeinsamen Sicherheitspolitik sowie den Änderungen nach dem Vertrag von Nizza nach - Insbesondere inwieweit und ob Beistandspflicht mit Neutralität vereinbar ist und ob sich das Verständnis von Neutralität und dadurch auch die Handlungsweisen Österreichs verändert haben.

FRAGESTELLUNG: Ist das Bundesverfassungsgesetz vom 26.10.1955 über die Neutralität Österreichs zur heutigen Zeit obsolet?

Verwendete Kataloge: scholar.google.de, aleph.univie.ac.at, metalib, IBZ
Verwendete Schlagworte: Besatzungszeit, Neutralität, immerwährend, Österreich, Staatsvertrag, 1955, Allierter Rat; einzeln bzw. kombiniert mit "UND" oder "ODER"

Kommentar zu „Peter Haber - Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter"

In den letzten 30 Jahren wurde die wissenschaftliche Arbeit auch im Bereich der Geistes- und
insbesondere der Geschichtswissenschaften durch die Einführung neuer Medien und
technischen Entwicklungen einem rasanten Wandel unterzogen. Wurde der Computer
zunächst nur als Ersatz für Schreibmaschinen betrachtet bzw. für statistische Auswertungen
herangezogen, so sind Computer und Internet (samt den dadurch entstandenen Möglichkeiten
wie OPAC, E-Mail, „Newsletter“, „World Wide Web“ etc.) derzeit aus einem Büro und aus
dem Arbeitsalltag jedoch nicht mehr weg zu denken. Peter Haber, Autor von
„Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter. Eine Zwischenbilanz“, greift in seinem
Artikel als wesentliche Punkte und gewandelte Gegebenheiten insbesondere das
Recherchieren und Publizieren im Netz, sowie die Hypertextualität und Multimedialität des
Internets heraus.
Hinsichtlich des Publizierens stellt Haber fest, dass „sich das World Wide Web als
Publikationskanal für geschichtswissenschaftliche Arbeiten nur sehr zögerlich durchsetzt“.
Artikel werden immer noch bevorzugt in gedruckten Zeitschriften als in e-journals, blogs oder
ähnlichem veröffentlicht. Zwei Ausnahmen stellen seiner Ansicht lediglich H-Soz-u-Kult
sowie die e-journals Zeitenblicke und Sehepunkte dar. Haber hat mit dieser Aussage recht.
Meines Erachtens wird das Medium Internet gerade in geisteswissenschaftlichen Fächern zu
wenig zum Publizieren genutzt - selbst wenn das gedruckte Medium als Publikationsmedium
bevorzugt wird, sollten die Artikel auch parallel im Netz zugänglich gemacht werden (so wie
es bei rechtlichen Fachartikel seit längerem durch Plattformen wie die Rechtsdatenbank
gelebte Praxis ist). Dem Erschwernis der vollständigen Archivierung und der
unangenehmeren Lesbarkeit stehen bei Publikationen im „WWW“ die leichte Auffindbarkeit,
das Erreichen einer größeren Leserschaft und eine stärkere und auch leichteren Verbreitung
von Argumenten und Thesen gegenüber.
Ein weiterer Vorteil bei Publikationen im Netz ist die von Haber angesprochene
Multimedialität d.h. Texte können nicht nur mit Bildern (wie bei gedruckten Werken),
sondern auch mit audiovisuellem Material (Töne und bewegte Bilder) verbunden werden.
Dies ermöglicht meiner Ansicht nach - und ich teile hier die Meinung Habers - nicht nur einen
umfassendere sondern auch eine authentischere Information über Geschehnisse und
Entwicklungen. Darüber hinaus können dadurch auch wichtige Nebeninformationen (wie z.B.
bei Interviews Emotionalität in der Stimme, Klang etc.) transportiert werden. Die
(wissenschaftliche) Verwendung dieser neuen Möglichkeiten und der neuen audiovisuellen
Quellen birgt jedoch auch große Gefahren (Fälschungen, Manipulationen,…), so dass der
Umgang mit diesen Quellen erst „eingeübt werden muss wie dies beim Umgang mit Bildern
vor einigen Jahren auch der Fall war“.
Das Internet und das World Wide Web selbst eröffnen auch neue Chancen und Möglichkeiten
beim Recherchieren. War man zunächst gerade bei den Geisteswissenschaften den Quellen
und Informationen aus dem Internet laut Haber, eher skeptisch und misstrauisch gegenüber
eingestellt, so wurde diese Einstellung auf der einen Seite überdacht auf der anderen Seite
wurden mittlerweile Datenbanken (Historyguide, Clio-online) geschaffen, die den
wissenschaftlichen Anspruch genügen. Problematisch sind nach wie vor Recherchen auf
Suchmaschinen wie Google: Informationen müssen und sollen immer unter dem
Gesichtspunkten wie Werten, ökonomischen, politischen kulturellen Einflüssen, Umfeld des
Autors gesehen werden. Diese Betrachtung ist jedoch bei vielen im Netz gefundenen
Informationen nicht oder nur schwer möglich. Eine Verwendung solcher Informationen ist
daher nur eingeschränkt und erst nach genauer Prüfung möglich und ratsam. Haber meint zu
Recht, dass in diesen Bereichen Quellenkritik erst „neu eingeübt werden muss“. Für mich
überwiegen jedoch die Vorteile der Internetrecherche (Struktur, Auffindbarkeit,
Stichwortsuche, Angebot, Vielfältigkeit etc.) gegenüber den Nachteilen - die aufgezeigte
Notwendigkeit die gefundenen Informationen in Relation zu setzen bleibt jedoch aus meiner
Sicht unbestritten.
(Peter Haber, Geschichtswissenschaften im digitalen Zeitalter. Eine Zwischenbilanz. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, 56 (2006), 2, S. 168-183)

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